Serra de Tramuntana GR 221: Estellencs – Banyalbafur – Esporles

Wie kam ich nur auf die doofe Idee, meine Sachen in dieser feuchten Höhle zu waschen? Beim Zähneputzen prüfe ich nach, wie trocken meine einzige Hose ist und die Antwort lautet: Gar nicht. Klatschnass. Nun gut. Ich hab ja noch eine kurze Strumpfhose dabei, die mit gutem Willen sowas, wie ne Sporthose darstellen könnte. Dazu die gestreiften Stulpen, denn der Morgen ist frisch und schon sehe ich aus wie ein Hiking-Clown. Egal. Ist leicht.

Ich stecke die Schlüssel zwischen Innentür und Außentür und lege los. Am Dorfausgang treffe ich auf den Wirt (Marco, glaube ich), bei dem ich mich nochmal bedanke und begebe mich in Mittelmeerzauberwelt von Estellencs. Ein Olivenhain am anderen, mit Bäumen, die aussehen als könnten sie tausend Jahre Geschichte erzählen. Dazwischen immer wieder bimmelnde Schafherden, die mähen und mähen. Maultiere grasen träge und schauen mir beim Vorbeigehen hinterher. Wieder einmal so eine Situation, in der ich denke: Wer hat nur diese perfekte Landschaft entworfen?

Morgens finde ich übrigens oft die Landschaft schöner als Abends. Das mag an meiner Verfassung liegen. Alles ist noch frisch und ich bin dankbar, draußen sein zu dürfen. Auf jedenfall lenkt mich diese Perfektion von meinem kapitalen Oberschenkelmuskelkater ab, der es mir fast unmöglich macht, Treppen hinab zu steigen. Mir graut’s schon ein bisschen vor dem Abstieg heute, denn wie immer geht es morgens erstmal rauf und Abends dann wieder runter. Da steckt doch ein Konzept dahinter!

Ich werde heute drei Umwege laufen. Einen schönen (Fonte Obi), einen unnötigen (Banyalbufar) und einen unabsichtlichen (kurz nach der Weggabelung nach Banyalbufar falsch abgebogen und entlang eines Bachbetts durch den Wald. Lohnt sich nicht.)

Insbesondere auf dem Umweg Font Obi gibt es – wider meiner Erwartung – einige schöne Plätze, die sich zum Campen eignen.

Auf dem Weg nach Esporles plagt mich der Gedanke, dass es mir davor graut, alleine im Wald zu campen. Tagsüber sieht das alles ganz toll aus, aber meine Phantasie erkennt jetzt schon die Schatten und Monster der Nacht in den Baumgesellen. Rational ist natürlich anders. Dazu kommt noch die stürmische Nacht auf La Trapa. Ich brauche dringend eine positive Camping-Erfahrung.

Da nahen schon die ersten Häuser von Esporles und an einem Zaun hängt ein Werbeschild für ein Hostel, bei dem man im Garten campen kann. The trail provides. Eine gute Mischung. Ich eiere in das schöne Städchen und komme an einem Hostel vorbei, dessen Name mir bekannt vorkommt. Halt mal! Das hat mir doch der halbnackte Norweger empfohlen! Das ausgewiesene Backpacker-Hostel braucht mal einen Customer Experience Designer, denn mit meinem Rucksack passe ich nicht durch die schmale Eingangstür.
Drinnen begrüßt mich Juan und ich frage nach einem Campingplatz. Gibt’s. Her damit! Camping light mit Dusche daneben. Genau das, was ich jetzt brauche. Jetzt noch die steile Treppe runtergeeiert. Unten schon lautes Hallo. Connie und Hubert sind da und laden mich zu einer riesigen Tortilla ein. Gleich fertig! Huberts Tortilla ist phantastisch und ich lehne mich total vollgefressen zurück. Bevor ich ins Fresskoma verfallen kann, muss aber noch das Zelt aufgebaut werden und ich will unbedingt mal ausprobieren, ob das mit der niedrigeren Abspannung klappt. So von wegen weniger Wind im Gesicht. Das dauert dann ein wenig länger, und die Jungs machen Jungskommentare. Jörg, gerade kennengelernt, fordert die beiden auf mir zu helfen, anstatt zu kommentieren. Das hat mir noch gefehlt.

Zelt steht, Supermarkt, gemütlicher Abend kann eingeläutet werden.

Schon beim Aufbau musste ich sowohl das Zelt (Tarptent Notch) als auch weitere Teile meiner Ausrüstung ausführlich erläutern, insbesondere Juan (groß) ist ganz begeistert, weil er da auch reinpassen würde und weil es so viel Varianten gibt, es aufzubauen. Jetzt – ich sitze mit Jörg auf der Terrasse und schnacke – kommt er mit einer Delegation Jungmänner vorbei und macht eine Führung durch mein Zelt 🙂

Jörg aus Berlin ist ein entspannter Suchender (Texter und Weinhändler, das erinnert mich ein bisschen an Asterix’ Weine und Kohlen) reist durch die Welt und schreibt ein Buch über Albanien. Er erzählt mir von einer Tour durch Rumänien, die er vorhat. Hört sich spannend an. Der Abend ist mehr als gelungen und ich gehe viel zu spät schlafen, denn meine Füße sind inzwischen eiskalt.

Mein Zelt schaut auf einen Garten und eine hübsche Häuserreihe und ich schlafe bald ein. Mitten in der Nacht wache ich jedoch auf, denn aufgrund totaler Windstille, niedriger Abspannung und noch feuchtem Equipment tropft es von der Decke. Wieder was gelernt. Also Fenster auf und ein bisschen aufwischen.

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