Serra de Tramuntana GR 221: Son Amer – Puig Maria

Morgens ziehe ich ziemlich spät los und laufe den ersten Teil der Strecke allein. Mehrfach überhole ich eine mir bereits bekannte, nette Familie, die mit ihren drei Kindern von 12-19 unterwegs ist. Und am Fuß des Puig Tomir treffe ich wieder auf die Studenten, die sich hier trennen. Judith und Stephan kommen mit mir und die andern steigen auf.

Die Strecke ist recht unspektakulär, nur ein kurzer Abschnitt an einem Bach entlang ist wild und schön. Am Beginn weißt ein Schild darauf hin, dass es sich um eine schlecht instand gesetzte Strecke handelt und ich denke zunächst, dass es sich um eine regionale Eigenart handelt, aber zweimal muss man auf dem Hintern einen Abhang oder eine sehr bucklige Leiter aus Ästen hinunter rutschen. Nun gut. Danach geht es bis Pollenca auf ebener Strecke durch dünn besiedeltes, landwirtschaftliches Gebiet und ich unterhalte mich mit einer Gruppe Engländer, die die Reise seit langem geplant haben.

Das Refugio in Pollenca befindet sich quasi am Ortseingang und ich trinke einen Kaffee und verabschiede mich von allen Wanderern, die ich auf dieser letzten Strecke getroffen habe, denn alle übernachten hier.

Ich will unbedingt noch auf den Puig Maria, denn erst dort ist der Weg zu Ende.

Ein langer, aber sehr schöner Weg.
Oben auf dem Berg angekommen bewundere ich die Aussicht und die unfassbare Schönheit des Sanctuarios. Es sind nicht Prunk und Protz, sondern die Einheit mit der Landschaft, die Stille und Schlichtheit die mich mitreißen. Erst denke ich, dass die Kapelle geschlossen ist ärgere mich. Aber durch das Nebengebäude kann man durch einen Seiteneingang eintreten.

Das Licht fällt schräg und kühl durch den Raum. Ein wenig Staub fliegt umher, die bunten, verfallenen Bodenfließen erzählen jahrhundertealte Geschichten von Pilgerschaft und Einsiedlertum.

Ich setze mich erschöpft in die erste Reihe und starre auf den Altar mit der goldenen Madonna.

Das Ende dieser Reise ist nicht prunkvoll und laut und es werden keine rauchenden Kessel geschwenkt. Es ist ganz leise und still und ich bin klar und bei mir. Es ist ein Beenden ohne Ende. Ich bin glücklich.

Ich suche nach einer rituellen Handlung die ich vollziehen kann und fotografiere zuerst meine Schuhe auf dem Fließenboden und kaufe dann im angeschlossenen Devotionalien-Shop Kerzen um sie hier in dieser Kapelle auf diesem Berg anzuzünden. Erst nach langer Zeit möchte ich wieder nach draußen.

Draußen treffe ich die Berliner, die mit ihrem Vater unterwegs sind. Sie werden hier übernachten. Ich denke auch kurz daran, aber ich möchte jetzt ans Meer und buche schnell ein Hotel in Port de Pollenca. Jetzt muss ich nur noch den Berg hinunter, dann nehme ich ein Taxi und fahre zum Hotel.

Zunächst hört sich alles ganz schlimm an (winziges Zimmer, nach hinten raus, Blabla) aber dann fügt sich alles zum Guten und ich checke ich ein wunderschönes, weißes Zimmer mit Balkon ein von dem aus ich in den Yachthafen sehen kann. Die Dusche tut den Rest. Ich bin erstmal da. Alles andere später.

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