Puig de L'Ofre

Serra de Tramuntana GR 221: Tossals Verds – Lluc

Nach dem Aufstehen trockne ich meinen feuchten Schlafsack im Frühstücksraum. Das Frühstück ist einfach aber lecker. Zwischendurch übersetze ich kurz für ein paar Süddeutsche. Eine der Wanderinnen hat sich den Fuß verstaucht und kann nicht mehr auftreten. Der nur vermeintlich unfreundliche Wirt bietet sich an, sie eine Stunde später in die Stadt mitzunehmen.

Nach dem Frühstück, zu dem Nils trotz Fresspanik zu spät kommt, gehen wir den Weg zurück, den ich bereits gekommen bin und biegen irgendwann nach Lluc ab. Dann geht es bergauf durch’s Gebirge und ich habe das erste Mal den Eindruck wirklich weit oben zu sein. Um uns herum leuchten die Berge in verschiedenen Farben und ich fühle mich mutig und groß hier oben zu sein.

Am Coll d’es Prat trennen wir uns denn Nils will den Masanella rauf obwohl das unfassbar steil aussieht. Ein paar Franzosen älteren Semesters aus der Mont Blanc Region machen gerade Rast. Nils will nicht alleine gehen und fragt, ob einer der Franzosen vor hat, mit nach oben zu kommen. Später wird er mir erzählen, dass die Jungs quasi mit den Händen in der Tasche den Berg hoch sind und es stellte sich heraus, dass einer von Ihnen Bergführer ist. Gute Berggesellschaft.

Ich gehe weiter durch einen Durchgang zwischen zwei riesigen Felsen und stehe auf der anderen Seite des Passes wo das Wetter völlig anders ist und die Aussicht komplett im Nebel verschwindet. Durch einen endlosen, grünen Taleinschnitt mit wildem, duftenden Salbei – oder zumindest, was ich dafür halte – geht es zunächst nach unten und dann wieder nach oben. Weit und breit kein Mensch. Nur das Klackern der Ziegen auf dem Fels ist zu hören  und vor mir liegt weites, saftiges Tal. Irgendwann haben mich die Französinnen eingeholt und sie schlängeln sich munter den Berg hinunter. Ich finde den Abstieg jetzt schon langwierig und er wird sich noch endlos durch den klassischen Steineichenwald weiterziehen. Irgendwann erhasche ich den ersten Blick auf Lluc, das friedlich im Tal liegt.

Ich mach Halt auf einem von der Sonne beleuchteten Köhlerplatz und höre den Vögeln zu. Manchmal will ich einfach anhalten und für immer bleiben.


Am Ende des Waldes beginnt Lluc und ich werde begrüßt von einem Schild, das darauf hinweist, dass es 100 Meter rechts eiskaltes Bier gibt.

Das Kloster ist wunderschön, wenn man davon absieht, dass das restliche Gelände von touristischer Infrastruktur verschandelt wird.

In der Kirche lege ich erleichtert meinen Rucksack ab, setze mich hin und lausche einem Klosterschüler, der Orgel übt. Ein sehr alter Mann in Turnschuhen und mit Stock kommt aus der Sakristei begleitet von zwei etwa vierzehnjährigen Jungs. Vor dem Altar stehen unzählige Blumengestecke und die Jungs halten ihm jedes einzelne hin, er berührt es kurz, denkt nach als ob er den Gestecken zuhören würde, und zeigt auf den neuen Platz, den das jeweilige Blumengebinde einnehmen soll. Dieses Geschäft dauert etwa eine Stunde. Ich könnte ewig zusehen. Irgendwann wanke ich Richtung Son Amer, denn in meiner Einbildung gab es dort einen Campingplatz. Der Wirt weiß zwar, das irgendwo in Lluc einer ist und auch dass es sich um den einzigen mallorquinischen Campingplatz handelt, aber nicht bei ihm. Auch wenn es sich wieder hundertprozentig anbieten würde.

Nils ist inzwischen angekommen und auf dem Weg von Son Amer nach Lluc weise ich auf eine Wassermühlenruine hin, die wir jetzt unter die Lupe nehmen. Dahinter eröffnet sich die perfekte Campingwiese mit Blick auf Lluc und die Berge. Schlafplatz ist geregelt, Jetzt Essen. Meine Lieblingsreihenfolge 🙂

In Lluc treffen wir wieder auf die bergsteigenden Franzosen und einer hat eine Statistik parat: Es gäbe hier fünf Restaurants, drei davon hochpreisig und eins der beiden verbleibenden nicht gut. Bleibt eine klare Wahl, nämlich das große, schöne Restaurant, das sich direkt im Klostergebäude befindet. Dort treffen wir auch die Camper Iris und Arne wieder.

Essen lecker, Bauch voll, jetzt kann geschlafen werden. Beim Aufbauen im Halbdunkel stellen wir zwar noch fest, dass die Wiese voller Schafsköttel ist, aber das macht jetzt auch nix mehr.

One thought on “Serra de Tramuntana GR 221: Tossals Verds – Lluc

  1. Ich wusste gar nicht, dass Mallorca so schöne Ecken und Aussichten hat – oder liegt das ein deinen Fotos?. Aber anstrengend ist es wohl auch, weiterhin guten Weg.

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